Bestätigt: Blutuntersuchung 2019 hat keine Aussagekraft für Gesamtbevölkerung Mechernich

Neue Meldung: Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) hat auf meine Fragen zu einem Blei- Biomonitoring Mechernich im Rahmen unserer BI am 27. Mai 2020 unter anderem kurz wie folgt geantwortet: „ […] die Blutuntersuchungen, die von der RWTH Aachen durchgeführt wurden, erfüllen durchaus die Anforderungen, die auch in ähnlich gelagerten Fällen anderenorts an orientierende HBM- Untersuchungen gestellt werden. Das LANUV sieht keinen Grund, die Ergebnisse in Zweifel zu ziehen. Die Limitationen ihrer Untersuchungen hat die RWTH selbst angesprochen.“

Kommentar: Bekanntlich wurde die Blei Untersuchungen im Blut der Mechernicher Bevölkerung anfangs als Studie, dann als Screeninguntersuchung und schließlich auf meine kritische Frage an Professor Kraus, „wie er selbst die Untersuchung definiere ?“, geantwortet: „Das ist keine wissenschaftliche Studie oder Untersuchung, sondern eine einmalige orientierende, nicht repräsentative Untersuchung bei Freiwilligen.“.

Orientierend heißt, das konkrete Ziel der Studie – Untersuchung und Ausschlußkriterien werden vorher eher allgemein festgelegt. Man sichtet die Ergebnisse und wertet in die gewünschte Richtung aus. Schwachstellen müssen nicht unbedingt genannt werden.
Nicht repräsentativ bedeutet, die Ergebnisse spiegeln nicht das tatsächliche oder sehr ähnliche Vorkommen in der Bevölkerung wieder. Dazu ist das Konzept von vorn herein nicht geeignet und erlaubt keine verallgemeinernde Aussage. Hinzu kommen, dass das selbst gewählte „worst case“ Konzept nicht eingehalten wurde und weitere statistische Mängel bestehen, wie die geringe Zahl untersuchter Kinder. Siehe auch. „Blei bleibt!

Fazit: Die Untersuchung konnte methodisch den Nachweis einer zusätzlichen oder fehlenden Bleibelastung der hiesigen Bevölkerung so gar nicht erbringen. Das lässt die kritische Frage nach dem Sinn der Untersuchung und dem Einsatz der notwendigen finanziellen Mittel zu.

Fakt bleibt: Das persönliche Ergebnis aller Teilnehmer für Blei im Vollblut am Untersuchungstag kostenlos, korrekt bestimmt und bewertet im Rahmen der damals gültigen HBM -Referenzwerte.

Neubewertung: Die Referenzwerte wurden allerdings von der Human- Bio- Monitoring (HBM) Kommission  im Oktober 2019 gesenkt und die Bewertung muss speziell für Kinder aktualisiert werden. Erwartet wird, dass mehr als 25% der bisher „günstigen“ Werte unterhalb, nun oberhalb des neuen HBM- Wertes liegen. Das wäre ein deutlicher Fingerzeig für eine zusätzliche lokale Bleibelastung durch die kontaminierten Böden, die ursächlich und präventiv gutachterlich bewertet werden muss. Auf die bisher offiziell fehlenden Vorschläge, z. B. entsprechend unserem Bio- Monitoring Konzept und laut Professor Kraus, Ziel der Untersuchung – Ggfs.  „Ableitung von Maßnahmen zur Belastungsreduktion“ sind wir alle sehr gespannt.

Das LANUV als übergeordnete Behörde hat diese „Limitationen“, also die begrenzte Aussagekraft der Mechernicher Untersuchung von 2019, bestätigt. Das sehen wir als weiteren Teilerfolg an auf dem Weg die Gesundheit der Bevölkerung im Kall – Mechernicher Bleigebiet mit seinen Altlasten nach dem gewünschten Minimierungsprinzip für Blei im Körper durch kontrollierte Präventionsmaßnahmen zu schützen und ihre Wirksamkeit zu kontrollieren.

Dr. Jörg Schriever

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